Beverly Engelbrecht

Innen Außen, Außen Innen

Professur Entwerfen und Wohnungsbau,
Bauhaus-Universität Weimar
Sommer 2019
mit Helen-Maja Rudolph

Konzept  ↑ 

Aufgabenstellung
Das Entwurfsstudio beschäftigte sich mit architektonischen Strategien für die Nachverdichtung einer Großwohnsiedlung im Bezirk Lichtenberg im Nordosten Berlins. Am Beispiel eines Wohnblockes aus den späten 1980er-Jahren im sogenannten Ostseeviertel in Neu-Hohenschönhausen sollten ausgehend von stadträumlichen Entwicklungsstudien Entwürfe für die Innenverdichtung und/oder Schließung des Blockes erarbeitet und ausformuliert werden. Während der Entwurfsarbeit untersuchten wir zwei Typologien, den Ring und den Turm näher.

Konzept
Um eine vielseitige Wohnqualität zu erreichen, benötigen Bewohner private, halböffentliche und öffentliche Räume. Für die Arbeit haben wir diese Räume in Schichten organisiert und radikal voneinander getrennt. Überträgt man diese Schichten auf die Gebäudetypen, stellt sich schnell heraus, dass sie sich in gegenteiliger Anordnung organisieren müssen, um die Qualität der jeweiligen Typologie zu stärken. Im Ergebnis stehen zwei Gebäude, eines nach außen, das andere nach innen gewandt.

 ↑  Text

Isometrie Turm  ↑ 

 ↑  Isometrie Ring

Drehscheibe Turm  ↑ 

 ↑  Eingangssituation Ring

Perspektive Turm  ↑ 

 ↑  Perspektive Ring

Grundriss EG Turm  ↑ 

 ↑  Grundriss EG Ring

Regelgeschoss Turm  ↑ 

 ↑  Regelgeschoss Ring

Ansicht + Schnitt Turm  ↑ 

 ↑  Ansicht + Schnitt Ring

Fassadenansicht Turm  ↑ 

 ↑  Fassadenansicht Ring

Ich wache auf und die Sonne scheint mir ins Gesicht. Ich sehe, meine Tomaten sind wieder ein bisschen gewachsen. Ich springe aus dem Bett, mache die großen Glastüren auf und betrete meinen Balkon. Ich sehe Marie von nebenan, die gerade einen Kaffee trinkt. Wir grüßen uns und ich verschwinde zurück in meine Wohnung. Mein Bett steht auf einer Drehscheibe. Ich möchte im Licht frühstücken und drehe die Scheibe um 90 Grad. Tagsüber gefällt mir die Position, denn der Raum wirkt so riesig. Für mein Frühstück hätte ich gern einen Tee. Ich schiebe die Falttür im hinteren Teil der Wohnung beiseite, meine Küche befindet sich dahinter. Ich setzte Wasser auf und verschwinde hinter einer anderen Falttür ins Badezimmer. Der Tee ist fertig und ich setze mich an den Tisch. Wie jeden Morgen macht Maries Kater seine Runde um den umlaufenden Laubengang und erwartet die übliche Menge Leckerli. Jetzt ist es schon 10 Uhr und ich wollte doch früher anfangen mit dem Arbeiten als sonst. Ich klettere die kleine Stiege hoch und setze mich an meinen Arbeitsplatz. Ich schaue nach draußen, da ich im Turm recht weit oben wohne, kann ich über die pastellfarbenen Gebäude gegenüber hinweg den Fernsehturm sehen. Entfernt höre ich die Kinder der Kita unten quietschen. Sie sind wohl gerade zum Spielen nach draußen gegangen. Später bin ich unten zum Gärtnern verabredet. Ich hoffe, Marcus denkt an die Einmachgläser für unsere Stachelbeerenernte.

Text Turm  ↑ 

Ich gehe auf ein Gebäude zu. Auf mein Zuhause. Es ist ein sonniger Tag und in den blauen Fliesen der Fassade spiegelt sich das Licht. Manchmal sehe ich die Bäume der Umgebung darin schimmern – manchmal die Fassade des benachbarten Blocks. Ich laufe am Quartierladen vorbei, winke noch zwei Freunden zu, die gemütlich einen Kaffee trinken und betrete schließlich zwischen zwei Stützen das Haus. Ich gehe weiter an den Briefkästen vorbei und erblicke einen Hof. Er ist ruhig und Bäume lassen ihre Blätter im Wind rascheln. Ich laufe bis zu einer Treppe. Wie eine Skulptur steht sie da. Sie wendelt sich hinauf bis zum Dach. Ich gehe bis zum dritten Stock und gerate in ein Wechselspiel von Eindrücken. Blicke hinaus in den Garten, dann auf den Laubengang, der die Ränder des Hofes säumt. Hier tummeln sich allerlei Bewohner auf ihren Bänken. Blumen wachsen in ihren Kübeln. Die Pfingstrosen habe ich besonders gern. Zwei Kinder werfen sich einen Ball zu und ein weiteres ist gerade vom Skateboard gefallen. Schließlich stehe ich vor der Nummer 11. An einem Band hängt sie von der Decke. Ich wohne hier mit zehn Mitbewohnern zusammen. Ich mag es in so einer großen Gemeinschaft. Wenn sich das mal ändert, kann ich ja auch eine Wand einziehen. Wir kochen hier oft zusammen, liegen auf der Couch und manchmal spielt Konrad auch auf dem Klavier. Heute sind noch alle unterwegs, deshalb gehe ich in mein Zimmer. Ihm ist ein kleiner Raum vorgelagert. Hier ziehe ich meine Schuhe aus und hänge meine Jacke auf. Ich teile den Raum mit Clara. In meinem Zimmer angekommen, lege ich mich in mein Bett. Es befindet sich in einer Nische. Ich nehme ein Buch aus dem Schrank über mir. Doch bevor ich mit dem Lesen anfange, werfe ich noch einen letzten Blick hinaus. Die Nachbarn grillen im Erdgeschoss.

 ↑  Text Ring