Beverly Engelbrecht

37,5 Volumenprozent

Professur Entwerfen und Baukonstruktion,
Bauhaus-Universität Weimar
Winter 2019/20
mit Helen-Maja Rudolph

Isometrie  ↑ 

 ↑  Lageplan

Konzept  ↑ 

Auf dem Baufeld begegnen sich verschiedene Gebäudetypologien. Zwei verwandte Baukörper werden gesetzt. Sie reagieren eigenständig auf das heterogene Umfeld. Die Baukörper stehen frei auf dem Areal. Alle Seiten sind freigestellt. Gefördert wird dieses Umspülen durch die abgeschrägten Seiten. Zwei sechseckige Baukörper entstehen. Parallel zueinander gesetzt. Sie gehen auf die bestehenden Blickachsen ein, stellen sich hinein und umführen sie zugleich. Die sechseckigen Außenformen drücken sich in die innere Struktur des Gebäudes hinein. Ein Sechseck im Sechseck entsteht. Je nach Geschoss und Nutzung wird der jeweilige Kern anders eingebunden. Dieser teilt und verbindet die Räume zugleich. Die Verwandtschaft der beiden Gebäude ist mit einem Geschwisterpaar vergleichbar. Im stehenden Gebäude werden die privaten Gästezimmer durch öffentliche Nutzungen gerahmt, ein Shop und Lobby im Erdgeschoss, Café im Obergeschoss. Durch die Höhe wird ein Landmark ausgebildet. Im liegenden Gebäude befinden sich Produktions- und Fortbildungsräume. Eine große Fläche wird aufgespannt. Bei den Gebäuden handelt es sich um Holzbauten. Es werden regionale, ländliche Konstruktionsprinzipien modern interpretiert. Es entsteht ein hinterlüfteter, mit Holztafelelementen ausgefachter Skelettbau. Die Fassade wird von dunkel lasierten Lisenen gegliedert und verziert. Im Wechselspiel werden die zurückgesetzten Flächen von Glas- und Holzelementen gefüllt. Eckfenster interpretieren Erker modern. Schaffen Ausblicke in die Weite und lassen den Raum größer wirken. Die Eingänge befinden sich jeweils in der Mitte des Gebäudes. Hier zieht sich die Holzfassade nach oben und die Situation wird dadurch betont. Ein umlaufender Sockel wird unterbrochen. Oberhalb findet das Gebäude seinen Abschluss in Form eines leicht geneigten Zeltdachs. Aus Sicht des Fußgängers bleibt ein weiter Dachüberstand sichtbar, um das Holz vor Verwitterung zu schützen. Auch die Lisenen finden hier ihren Abschluss und werden in Form von auskragenden Holzträgern fortgeführt.

 ↑  Text

Außen 1  ↑ 

 ↑  Außen 2

Ansicht  ↑ 

 ↑  Grundriss EG

Ansicht + Schnitt  ↑ 

 ↑  Grundriss 1. OG

Ansicht + Schnitt  ↑ 

 ↑  Grundriss 4. OG

Perpektive Destillerie  ↑ 

 ↑  Perpektive Café

Otto ist spät dran. Sein Zug hatte Verspätung. Er hat schon einen Fußmarsch durch Oberweimar hinter sich. Hier gibt es alles: Fachwerkhäuser, aufgemotzte Einfamilienhäuser und Plattenbauten. Nun läuft er auf einen alten, eigentlich ganz schönen Speicher zu. Die Kirche, dessen Turmspitze er schon von Weitem gesehen hat, ist plötzlich ganz nah. Hier muss er nach links abbiegen. Ihm kommt ein Transporter entgegen. Er weicht aus. Auf dem Platz, der sich nun vor ihm eröffnet, ist viel los. Schulkinder haben sich vor den Scheiben eines Holzgebäudes vor ihm versammelt. Das muss wohl sein Ziel sein – die Destillerie. Gerade wurden wohl die frischen Äpfel geliefert. Kurz gesellt er sich zu den Kindern und beobachtet durch die großen Scheiben, wie die Äpfel sortiert werden. Otto wendet sich wieder ab und sein Blick folgt den in regelmäßigen Abständen angeordneten Lisenen an der Gebäudefassade. Auf der anderen Seite des Platzes sieht er nun auch das zweite Gebäude. Es ist dem der Destillerie ganz ähnlich, nur viel höher und schmaler. Von dort oben hat man bestimmt eine tolle Aussicht, denkt er sich – und tatsächlich entdeckt Otto Menschen, die dort Kaffee trinken. Er geht ein paar Stufen hinunter und nähert sich dem Turm. Im Erdgeschoss des Gebäudes werden Spirituosen und Souvenirs, die auf dem Areal produziert werden, verkauft. In großen Schaufenstern werden ausgewählte Produkte präsentiert. Otto möchte jetzt aber erst ein Mal auf sein Zimmer – sein Rucksack ist schwer. Er umläuft das Gebäude und kann nicht anders als seine Hand auszustrecken und die Lisenen abzuklappern. Auf einmal wird der Rhythmus unterbrochen. An der leicht geneigten Ecke befindet sich eine Flügeltür. Er betritt die Lobby – Otto ist überrascht, da sich der Raum ungewöhnlich vor ihm auffächert. Während ein junger Mann die Formulare für die Übernachtung ausfüllt, schaut er sich um und blickt durch die großen Fenster ins Freie. In der vorbeifließenden Ilm entdeckt er eine Forellentreppe. Endlich erhält er die Schlüssel für sein Hotelzimmer. Otto ist fit und nimmt die Treppe ins dritte Obergeschoss. Hier ist sein Zimmer. Er stellt sein Rucksack in der Garderobe ab und lässt sich erschöpft auf sein Bett fallen. Aus dem Bett kann er die Kirche sehen. Otto ist neugierig und tritt näher an das Eckfenster im Raum und beobachtet das Treiben auf dem Platz. Leute, die so aussehen, als würden sie das gleiche Seminar wie er besuchen wollen, betreten das Destillerie-Gebäude. So spät schon? Otto muss jetzt schnell rüber.

Text  ↑ 

 ↑  Fassadenansicht

Modellfoto  ↑